Pferd und Krieg (1)

Pferde [Equidae] sind weltweit verbreitet. Das bekannte Hauspferd [Equus ferus caballus] ist dabei eine domestizierte Form des in Zentraleurasien verbreiteten Wildpferdes [Equus ferus]. Seine Domestikation erfolgte vermutlich bereits im 4. Jahrtausend v. Chr., zuerst durch indoeuropäische Nomadenvölker, die ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. auch begannen, Pferde nicht länger nur als Zug-, sondern auch als Reittiere zu nutzen.
Pferde sind sehr gelehrig und geschickt und darüber hinaus ausgezeichnete Langstreckenläufer. Sie können bis zu sechs Tage hintereinander jeweils 70 — 100 Kilometer zurücklegen.
Kein anderes Tier spielte in den frühen Kriegen eine so zentrale Rolle wie das Pferd. Es ist davon auszugehen, dass Pferde von Beginn der Kriegsführung an sowohl als Waffe wie auch als Beute eine herausragende Rolle gespielt haben.

Im Laufe der Geschichte wurde die Kombination von Ross und Reiter immer tödlicher. Reiter, die als Erste fest in neuartigen Steigbügeln saßen, hatten einen Vorteil gegenüber Reitern ohne jene technische Neuerung. Obwohl die Kriegsführung zu Pferd schon lange veraltet zu sein schien, trabten noch im 20. Jahrhundert so viele Pferde in die Schlacht wie nie zuvor in der Geschichte. (…)

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Um Pferde für den Militärdienst tauglich zu machen, ist eine intensive Schulung notwendig. Vier Jahre dauerte beispielsweise beim kaiserlichen deutschen Heer die Reit- und Fahrausbildung. Dabei wurden die Pferde mit Schüssen, Paukenschlägen und Fahnenschwenken an mögliche Gefechtssituationen gewöhnt. Als besondere Dressurleistung galt es, wenn sich das Tier unter Gefechtsbedingungen auf Kommando hinlegte, um so dem Reiter als Schutzschild zu dienen.

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden im Deutschen Reich alle verfügbaren Pferde requiriert. Abhängig von Rasse und individueller Fähigkeit wurden sie als Kavalleriepferd, Zug oder Lasttier sowie nach Entkräftung als Fleischlieferant genutzt.

Für viele Adelige war es im Ersten Weltkrieg noch Ehrensache, zu Pferde in die Schlacht zu ziehen, klassisch mit gezogenem Säbel und Lanze. Trotz zunehmender Motorisierung blieb das Pferd zu jener Zeit das mit Abstand wichtigste Fortbewegungsmittel an der Front. Schätzungen zufolge erwarben die Briten im Ersten Weltkrieg mehr als 16 Millionen Pferde und Maultiere aus den USA.

Als 1915 erstmals mit Giftgasgranaten geschossen wurde, gab es noch keinen Schutz für die Tiere. Die ersten Gasmasken, die daraufhin entwickelt wurden, waren einfache Futterbeutel oder Lappen, die Pferden und Hunden über die Nüstern und Schnauzen gelegt wurden. Später wurden die Tiere mit funktionalen Gasmasken analog denen der Soldaten ausgerüstet.

Quelle: Die Anthropomorpha: Tiere im Krieg

Obwohl der Zweite Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht als motorisierter Krieg propagiert wurde, waren deutsche Truppen weiterhin maßgeblich auf Pferde angewiesen. Sie wurden wie zu allen Zeiten als Zug- und Transporttiere benötigt. Nach der Roten Armee hatte die deutsche Wehrmacht mit 2,8 Millionen Tieren die meisten Pferde im Einsatz. Schätzungsweise ließen insgesamt 8 — 9 Millionen Pferde in diesem Krieg ihr Leben. Allein auf deutscher Seite starben mehr als 1,5 Millionen Tiere.

siehe auch:

http://geschichtsmaterialien.dragonerareal.org/die-lanze-und-die-geschichte-des-schocks/

http://geschichtsmaterialien.dragonerareal.org/pferd-und-krieg-2-das-pferd-im-ersten-weltkrieg/

http://geschichtsmaterialien.dragonerareal.org/pferd-und-krieg-3-die-publizistischen-rueckzugsgefechte-der-deutschen-kavallerie-seit-1918-auszug/