Dreyse-Zündnadelgewehr

Seit ihrem ersten Auftauchen im 14. Jahrhundert werden Feuerwaffen von der Mündung aus geladen.
Das Standardprogramm endloser Drills seit Moritz von Oranien: Umdrehen des Laufs, Abbeißen der Pulverpatrone, Einfüllen des Pulvers in die Mündung, Eintreiben des Geschosses mit dem Ladestock, waagrecht Stellen des Gewehrs, Zündkraut Aufschütten, Spannen, usw.. Gewehre von hinten zu laden, wie sie über Pauly zu Dreyse geraten, revolutionieren diese operative Matrix infanteristischer Disziplinarordnung. [1 – Peter Berz, S. 214]

Dreyse-Zündnadelgewehr

Das Zündnadelgewehr wurde von einem Zivilisten, Herrn Dreyse aus Sömmerda in Preußen, erfunden. Nachdem er zuerst die Methode entwickelt hatte, eine Schußwaffe durch eine plötzlich in die in der Patrone enthaltene Explosivmasse eindringende Nadel abzufeuern, vollendete er seine Erfindung schon 1835, indem er einen Hinterlader konstruierte, der mit diesem nadelzündenden Mechanismus versehen war. Die preußische Regierung kaufte sofort dieses Geheimnis auf und bewahrte es erfolgreich, bis es 1848 publik wurde. (…)
Die Patrone enthält Kugel, Pulver sowie die Explosivmischung und wird ungeöffnet in die Kammer gebracht, die etwas größer ist als der gezogene Lauf. Eine einfache Handbewegung schließt den Verschluß und spannt zugleich die Schußwaffe. Es gibt jedoch keinen Hahn an der Außenseite. Hinter der Ladung, in einem hohlen, eisernen Zylinder, liegt eine starke, spitze Stahlnadel, die durch eine Spiralfeder in Bewegung gesetzt wird. Das Spannen der Waffe besteht lediglich darin, diese Feder zurückzuziehen, zusammenzupressen und festzuhalten. Wenn am Abzug gezogen wird, setzt er diese Feder frei, die sofort vorwärtsschnellt, auf die Patrone aufschlägt und augenblicklich die Explosivmischung entzündet; dadurch wird die Ladung abgefeuert. So besteht das Laden und feuern mit dieser Waffe nur aus fünf Bewegungen: Verschluß öffnen, Patrone hineinstecken, Verschluß schließen, die Waffe in Anschlag bringen und Feuern. Kein Wunder, daß mit einer solchen Waffe fünf wohlgezielte Schüsse in einer Minute abgegeben werden können. [2 – Friedrich Engels]

Kurz nach seinem Regierungsantritt, am 4. Dezember 1840 erteilt Friedrich Wilhelm IV. der Firma Dreyse den Auftrag, innerhalb von sieben Jahren 60 000 Zündnadelgewehre und je 500 Patronen zu liefern. Vorausgegangen war die letzte einer langen Serie von Truppenerprobungen und Vergleichs schießen mit nicht weniger als 1,5 Millionen Testschüssen.
Der Auftrag von 1840, Patente und Beziehungen zur preußischen Militärverwaltung machen Nicolaus Dreyse zum ersten Waffenmonopolisten Preußens. Die wichtigste Grundlage seiner Monopolstellung: Die neue Waffe soll, ganz gegen die zu dieser Zeit übliche internationale Zirkulation militärtechnischen Wissens, eine Geheimwaffe sein. (…)
Die ersten 45 000 Gewehre und 22 Millionen Patronen, die bis 1847 aus Sömmerda geliefert sind, werden noch nicht an die Truppen ausgegeben, sondern lagern in Zeughäusern. Im April 1848, einen Monat nach der März-Revolution und dem Rückzug des Militärs aus Berlin, sollen einige Regimenter mit den neuen Waffen ausgestattet werden. Da wird aus besonderen Gründen das Geheimnis publik. Beim Sturm aufs Berliner Zeughaus am 14. Juni 1848 entwendet der Pöbel 1000 Exemplare des Wunders. Die praktische Volksbewaffung hat nur einen kleinen Fehler: Der noch geheimere Kern des Systems, Dreyses sogenannte Einheitspatrone, lagert zur Sicherheit zwei Kilometer entfernt im Artillerielaboratorium vor dem Oranienburger Tor.
Die ersten Einsätze der Waffe, transportiert auf einem neuen Schienennetz, ausgelöst durch elektrisch telegraphierte Befehle, finden in den folgenden Monaten gegen Barrikaden in Dresden, Schleswig und Baden statt. [1 – Peter Berz]

siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreyse-Z%C3%BCndnadelgewehr